Kinder, Küche, Kirche? 100 Jahre Frauenwahlrecht und die Folgen

Über 100 Gäste beim Studientag Kinder, Küche, Kirche? 100 Jahre Frauenwahlrect und die Folgen in Kirche, Politik und Gesellschaft
Die Vorträge und Diskussionen des Studientags hatten das Ziel, zunächst die historische Basis zuschaffen, um die Genese der Frauenbewegung im Deutschen Reich (Sylvia Schraut) und in der Katholischen Kirche (Regina Heyder) um 1890, sowie deren Entwicklung im 20. Jahrhundert kennenzulernen und zu verstehen. Der Kampf der Zentrumspartei um die Stimmen der Frauen lenkte den Blick auf den württembergischen Wahlkampf 1918/19 (Christopher Dowe).
Der Frage nach realer Mitwirkung von Frauen in Politik, Wirtschaft und Kirche gingen Bernhardt Anuth - für die katholische Kirche und dessen Kirchenrecht - und Christiane Florin - für Kirche und Gesellschaft - in ihren kurzen Impulsen nach. Die Podiums- und Plenumsdiskussionen zeigten, dass das Wahlrecht für Frauen erst ein Schritt auf dem Weg zu gleicher Beteiligung von Frauen in der Gesamtgesellschaft darstellte.
Als Ergebnis kann festgehalten werden, dass Frauen in Kirche, Politik und Wirtschaft zum Teil weit davon entfernt sind, gleiche Rechte und Chancen zu haben.
In der katholischen Kirche kommt hinzu, dass ein vollständig realisiertes Kirchenrecht (Corpus Iuris Canonici) dem Einfluss kirchlich aktiver Frauen enge Grenzen setzt. In der Realität nutzen zahlreiche Frauen vor Ort - in den Kirchengemenden, Dekanaten, in zahlreichen Kirchenämtern oder in der Kirchenleitung der Diözese Rottenburg-Stuttgart - ihre Freiräume. Diese sind in den vergangenen 100 Jahren stetig gewachsen.

Bilder des Studientages

Samstag, den 23. März 2019, Haus der Katholischen Kirche, Königstr. 7, Stuttgart.

Im Jahr 2019 jährt sich die Einführung des Frauenwahlrechts zum hundertsten Mal. Die Veranstaltung beleuchtet die Entwicklungen vom späten 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Es wird diskutiert, welche AkteurInnen den Weg zum Wahlrecht ebneten und wie nachhaltig sich der politische und kirchenpolitische Einfluss von Frauen gestaltete.
Es wird gefragt, wie katholische Frauen und Frauenorganisationen diesen Prozess begleiteten. Wie nachhaltig blieb und bleibt ihr politische Einfluss im Land und in der Diözese Rottenburg-Stuttgart? Welche Erwartungen wurden erfüllt – und welche blieben bis heute unerfüllt?
Der Geschichtsverein und die Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart laden Sie herzlich zum Studientag nach Stuttgart ein. 

Ökumenischer Frauenkongress in Stuttgart, 1997

Programm  Programmflyer
Eintritt frei. Um Anmeldung wird gebeten an info@gv-drs.de oder www.akademie-rs.de/vakt_23008
Ankommen bei Kaffee|Tee|Gebäck

Frauen auf dem Weg zum passiven und aktiven Wahlrecht 
Referate ca. 30 Minuten
Prof. Dr. Sylvia Schraut, Historikerin, München: Frauen an die Wahlurne. Frauen an die Macht? Die politische Partizipation der Frauen zwischen Kaiserreich und Weimarer Republik (1871-1918). 
Dr. Regina Heyder, Historikerin, Mainz: "Mitgestalterinnen am neuen Deutschland". Katholische Frauenverbände als Akteurinnen auf dem Weg zur Wahl 1919. 
Mittagsimbiss
Dr. Christopher Dowe, Zeithistoriker, Stuttgart: Zum Kampf um die Stimmen der Frauen im württembergischen Wahlkampf 1918/19

Frauen und Männer in Kirche, Politik und Gesellschaft heute
Impulse ca. 15 Minuten von
Dr. Christiane Florin, Journalistin/Publizistin, Köln: Weiberaufstand - was Frauen in der katholische Kirche bewegen und was nicht
Prof. Dr. Bernhard Anuth, Kirchenrechtler, Tübingen: Gleiche Würde, gleiche Rechte? Zur Stellung von Frauen im katholischen Kirchenrecht

Diskussionen auf dem Podium und im Plenum
Moderation Barbara Thurner-Fromm, Journalistin
mit Dr. Christiane Florin und Prof. Dr. Bernhard Anuth,
Andrea Langenbacher, Gleichstellungsbeauftragte der Diözese Rottenburg-Stuttgart
Gabriele Frenzer-Wolf, Stv. Landesvorsitzende DGB Baden-Württemberg
Dr. Irme Stetter-Karp, Leiterin Caritas Diözese Rottenburg-Stuttgart

Eine Tagung des Geschichtsvereins und der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit Unterstützung des Katholischen Bildungswerkes Stuttgart und des Ministeriums für Soziales und Integration Baden-Württemberg.