Bischof-Carl-Joseph-von-Hefele-Preis 2015

NEWS 2017: Cornelia Reus ist nun als Pastoralreferentin in Pfarreien Heilbronn-Sontheim und -Horkheim tätig tätig und ist Studierendenseelsorgerin an der Hochschule Heilbronn. 

Der Bischof-Carl-Joseph-von-Hefele-Preis des Jahres 2015 wurde am 3. Dezember 2015 an die Diplomtheologin Cornelia Reus (27) für ihre hervorragende Diplomarbeit 
Frauen im Dienst der Kirche. Die Arbeit von Laienkatechetinnen im Bistum Rottenburg von 1920 bis 1958
verliehen.

Die wesentlichen Inhalte ihrer Abschlussarbeit wurde  im RJKG 35/2016 veröffentlicht. Titel in Gesamtverzeichnis RJKG unter Reus.

Der Bischof-Carl-Joseph-von-Hefele-Preis des Jahres 2015 wurde am 3. Dezember 2015 an die Diplomtheologin Cornelia Reus (27) für ihre hervorragende Diplomarbeit 
Frauen im Dienst der Kirche. Die Arbeit von Laienkatechetinnen im Bistum Rottenburg von 1920 bis 1958
verliehen.
Betreuer der Diplomarbeit ist Professor Dr. Andreas Holzem. Der Vorstand des Geschichtsvereins der Diözese schlug Bischof Dr. Fürst diese Arbeit als preiswürdig vor und trug die Verantwortung für den Prozess der Preisvergabe.
Die feierliche Überreichung des Preises fand im Tübinger Wilhelmsstift statt. Weihbischof Dr. Johanes Kreidler überreichte im großen Saal des Wilhelmsstifts die von Bischof Dr. Gebhard Fürst unterzeichnete Urkunde und das Preisgeld. In seiner Laudatio würdigte Weihbischof Kreidler, dass sich die Preisträgerin mit ihrer Diplomarbeit in ein bislang unerforschtes Feld begeben und dabei umfangreiche archivalische Arbeit geleistet habe. Der in der Arbeit gezeichnete Entwicklungsbogen hin zur Entstehung eines neuen pastoralen Berufsbildes sei von ihr überzeugend gezeichnet worden. Frau Reus habe umsichtig analysiert, wie sich mit dem zeitgeschichtlichen Hintergrund und mit dem Wandel der Ausbildungsordnung auch die Gruppe der Teilnehmerinnen (und wenigen Teilnehmer) nach Alter, Schulabschluss, beruflicher Vorprägung und Lebensstand verändert habe. Die Energie, die Frau Reus hier investiert habe, zeuge von einem hoch empathischen Interesse, das größte Würdigung verdiene.
Viele Mitglieder, Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter aus ihrer Heimatgemeinde Herrenberg, aus Tübingen und Bad Mergentheim waren bei der Preisverleihung vor Ort. Mit großem Interesse verfolgten auch viele Theologiestudierende und Kurskolleginnen und -kollegen die Vorträge des Abends.

 „Lammfromm und [gleichzeitig] revolutionär“ - so bezeichnete Cornelia Reus jene Frauen, die zwischen 1920 und 1958 mehr Verantwortung für die Seelsorge vor Ort übernehmen wollten. In ihrer Arbeit stellte sie unter anderem dar, welche Schritte zu  gehen waren, bis sich Kirchenobere vorstellen konnten, dass Laientheologen  - "Ungeweihte" - in der Lage waren, neben Priestern Aufgaben in der Seelsorge zu übernehmen. Frauen wurde diese Aufgabe zunächst nicht zugetraut; Sie konnten zwar Kurse für Katechetinnen besuchen, doch sollten sie ihr Wissen vor allem in der Familie oder ehrenamtlich in der Gemeinde weitergeben. Die Kurse sollten nicht zu einer bezahlten Berufstätigkeit führen, und diese wurde auch nicht garantiert. Die Kirchenoberen trauten Frauen zudem nicht zu, theologisch bildbar zu sein.

Die Katechetinnen spürten eine starke religiöse Energie in sich und wollten zunächst vor allem die eigene Frömmigkeit entwickeln; Einerseits waren sie  „lammfromm“,  gleichzeitig aber auch revolutionär, weil sie kontinuierlich ihre Aufgaben in den Pfarreien ausbauen wollten und Frauen den Weg in ein neues Berufsfeld bahnten. 

1929 gelang es der Theologiestudentin Franziska Werfer (1908, Ellwangen - 1985, Stuttgart) als erster Frau in Deutschland, Abschlussprüfungen im Fach katholische Theologie abzulegen. Vorreiter war das Katholisch-Theologische Dekanat der Universität Tübingen und das Bischöfliche Ordinariat in Rottenburg, die dem Antrag zustimmten. Diesem wichtigen Schritt sollten weitere folgen.

Wie die Kirchenhistorikerin Regina Heyder (Bonn/Mainz) im zweiten Referat des Abends darlegte, anerkannte das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) Laientheologen beiderlei Geschlechts als unverzichtbar an. Heute tragen an Hochschulen und Universitäten ausgebildete Theologinnen und Theologen ohne kirchliche Weihen in vielen Bereichen der kirchlichen Organisation Verantwortung.

Worauf Katholikinnen und Organisationen wie der Katholische Deutsche Frauenbund bislang jedoch noch immer warteten, sei – als Minimalgebot – das Diakonat auch für Frauen. Dieser Schritt wird als unverzichtbar gesehen, um in der katholischen Kirche die Gleichberechtigung von Männern und Frauen ein Stück weit voranzubringen.

 

 

Die Aktiven des Abends (v.re.): Prof. Dr. Andreas Holzem (Betreuer der Arbeit), Prof. Dr. Ruth Scoralick (Dekanin), Dr. Johannes Kreidler (Weihbischof), Cornelia Reus (Preisträgerin), Dr. Regina Heyder (Referentin), Msgn. Martin Fahrner (Direktor des Wilhelmsstifts), Dr. Maria E. Gründig (Geschichtsverein).
Bild: Clemens Knorpp

Fotos Wilhelmsstift/Knorpp
Programm/Einladung