Hefele-Preis aktuell

News Oktober 2019: Der Nachwuchspreis wurde in Bad Urach an die junge Landeshistorikerin Amelie Bieg verliehen.

In seiner Laudatio erinnerte Weihbischof Dr. Gerhard Schneider zunächst an den 2017 überreichten Preis, der für eine Arbeit über den katholischen Aufklärer Ignaz Heinrich von Wessenberg vergeben worden war. Vom Konstanzer Generalvikar Wessenberg habe sich der Namensgeber des Preises, Bischof Hefele, bewusst abgesetzt. Das diesjährige Thema folge dagegen ganz den Interessen des strengkirchlichen Wissenschaftlers und Kirchenpolitikers Hefele, der auch selbst eine Rolle in der Arbeit von Ammelie Bieg spiele. Die Arbeit besteche nach Ansicht des Kuratoriums zur Vergabe des Hefele-Preises durch ihre solide Quellenerhebung und -deutung und eröffne eine Perspektive "von unten", welche die bisherige Forschung zum Thema deutlich bereichere. Amelie Bieg habe sehr genau rekonstruiert, welchen Widerstand die aufklärerischen und staatskirchlichen Maßnahmen gegen Feiertage, Wallfahrten, Bittgänge und Heiligenverehrung auslösten. Tatsächlich ließ sich etwa die Wallfahrt auf dem Schönenberg kaum gegen den Willen der Gläubigen unterdrücken. Ähnliches galt für die Wallfahrt zu St. Salvator bei Gmünd. Im Vorfeld der Revolution von 1848/49 führte dies auch zu einer politischen Mobilisierung der Gläubigen, die sich in der Wahl eines regierungskritischen Kandidaten - nämlich des ultramontan gesinnten Tübinger Professors Hefele zum Ellwanger Abgeordneten für die zweite Württembergische Kammer -  niederschlug. Die damit verbundenen Ellwanger Hoffnungen, der Bischofssitz würde von Rottenburg in die Ostalb verlegt werden, erfüllten sich aber nicht.
Der strengkirchliche Widerstand von unten galt damals auch anderen aufgeklärten Bestrebungen im Klerus, wie sie sich etwa im Ehinger "Antizölibatsverein" zeigten. Die Arbeit von Frau Bieg zeige, dass Kirche schon im 19. Jahrhundert kein spannungsfreies Geschehen war, auch wenn die Fronten anders verliefen als heute. Bei dem vor kurzen heiliggesprochenen John Henry Newman kann man in seiner berühmten Einleitung zur Neuausgabe der Via media nachlesen, dass die Kirche sogar notwendigerweise von solcher Reibung bestimmt ist. Denn sie ist zugleich eine Glaubenslehre (a philosophy), eine Institution (a polity) und persönliche Gottesverehrung (a devotion). Diese drei Elemente, das institutionell-hierarchische, das theologisch-kritische und das personale widerstreiten sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Binnenlogiken gezwungenermaßen, befruchten sich aber auch gegenseitig. Deshalb lohne es sich, Spannungen in der Kirche auszuhalten, Spannungen zwischen institutioneller Autorität, theologischer Reflexion und der Erfahrung der Gläubigen, auch heute noch. Der Weihbischof gab am Ende der Laudatio seiner Hoffnung Ausdruck, dass dies aus der preisgekrönten Arbeit gelernt werden könne. Er gratulierte Amelie Bieg sehr herzlich zu ihrer wissenschaftlichen Leistung, auf die die Diözese sehr dankbar blicken könne und überreichte der Preisträgerin die Urkunde und das Preisgeld.
Die Preisträgerin stellte nun wesentliche Teile ihrer wissenschaftlichen Abschlussarbeit vor. Sie erhält die Gelegenheit, in Band 39 des Rottenburger Jahrbuchs für Kirchengeschichte die wesentlichen Inhalte ihrer preisgekrönten Masterarbeit schlaglichtartig zu publizieren.

Der Geschichtsverein wünscht der Preistägerin beruflich und persönliches alles Gute. Mit Spannung wird die Dissertation der Landeshistorikerin erwartet, in der neue Forschungsergebnisse über den Widerstand gegen aufgeklärte Reformen, über die Beziehungen des württembergischen Staates mit einer sich unterdrückt fühlenden Kirche sowie über die wachsende Politisierung des Kirchenvolkes und des sogentannten Politischen Katholizismues zu erwarten sind.

 

Die Preisträgerin dankte Weihbischof Dr. Schneider und dem Geschichtsverein der Diözese Rottenburg-Stuttgart anschließend für den Preis. Kurz und prägnant stellte Amelie Bieg einige wichtige Inhalte ihrer Arbeit vor.
Sie erhält die Gelegenheit, in Band 39 des Rottenburger Jahrbuchs für Kirchengeschichte die wesentlichen Inhalte ihrer preisgekrönten Masterarbeit zu publizieren.

Der Geschichtsverein wünscht Frau Bieg beruflich und persönliches alles Gute. Er wartet schon heute gespannt auf die Dissertation, in der mit Sicherheit viel Neues zum Thema Widerstand gegen aufgeklärte Reformen, über die Beziehungen von Staat und einer sich unterdrückt fühlenden Kirche sowie über die Politisierung des Kirchenvolkes bringen wird.