Studientagung

Die Inszenierung des modernen Papsttums
Von Papst Pius IX. bis Franziskus

Studientagung, Weingarten 15. bis 17. September 2016

NEU: Bericht zur Tagung - auch in HSozKult 6873

Studientagung, Weingarten 15.-17.09. 2016    |     Mit der Entwicklung von Massenmedien im Laufe des 19. Jahrhunderts wird es breiten Bevölkerungsschichten ermöglicht, sich über Zeitungen, Flugblätter und Bilder zu informieren. Auch die katholische Kirche nutzt die neuen Medien. Von Papst Pius IX., der mit nahezu 32 Jahren das bislang längste Pontifikat erlebte (1846-1878), wird erstmals eine Vielzahl von Bildern erstellt, deren Analyse Aussagen über die Art und Weise von Inszenierung zulassen und deren Vergleich mit anderen Päpsten eindrückliche Ergebnisse zeigen können.

Die Tagung beschäftigte sich mit der Inszenierung des Papsttums in der Moderne – beginnend mit dem Amtsantritt von Papst Pius IX. bis zum aktuellen Geschehen um Papst Franziskus. 

„Wirklichkeit ist immer eine soziale Konstruktion“. Dieser Aussage aus der Wissenssoziologie dürften wohl alle Referenten - Historiker, Kunst- und Kirchenhistoriker und Medientheoretiker - zustimmen. Alle Vorträge zeigten, dass Bilder einzelner Päpste, die Institution Papsttum oder katholische Kirche nur in interpretierter Form existieren. Die Vortragenden betrachteten die typischen Medien – Foto, Film, Hörfunk, Fernsehen oder Internet – , aber auch symbolische Inszenierungen wie liturgische Riten, Körper- und Gestensprache oder die Inszenierung kirchlicher Großereignisse. Sie alle erzeugen neue Wirklichkeiten oder verändern sie in die intendierte oder in eine nicht intendierte Richtung. Die Referenten untersuchten, welche Inhalte vermittelt werden sollten, auf welche Weise dies geschah, wie sie wirkten und mit welchen Ergebnissen inszeniert wird. Den sich seit dem 19. Jahrhundert rasant entwickelnden, global agierenden Massenmedien schreiben die Referenten eine überaus große Wirkmächtigkeit zu. Der Mediensektor ist nicht nur als Instrument der Performer zu verstehen, sondern heute mehr denn je in der Lage, aktiv Inszenierung und Performanz zu wandeln.

Die Ergebnisse der Studientagung werden in Band 36 des Rottenburger Jahrbuchs für Kirchengeschichte (RJKG) veröffentlicht, das vom Geschichtsverein der Diözese Rottenburg-Stuttgart herausgegeben wird. 

Auf großes Interesse stieß der in Rom lebende Journalist Marco Politi, der in seinem öffentlichen Abendvortrag Besonderheiten im öffentlichen Auftreten von Papst Franziskus ansprach. 

Referierende und ihre Vorträge
Prof. Dr. Claus Arnold, Mainz: Einführung ins Thema
Prof. Dr. Günther Wassilowsky, Innsbruck: Inszenierung des vormodernen Papsttums
Christian Brunke, Innsbruck: Zwischen Abschottung und Öffnung. Der Pontifikatsbeginn im 19. und 20. Jahrhundert
Dr. René Schlott, Potsdam: Wettlauf um den Exitus. Die Inszenierung des Papsttodes zu Beginn des
massenmedialen Zeitalters. Pius IX. (1878) und Leo XIII. (1903)
Prof. Dr. Claus Arnold, Mainz: Pius X. "Der fromme und einfache Papst"
Dr. Federico Ruozzi, Reggio Emilia/Bologna: Pius XII. als Darsteller und Dargestellter
Prof. Dr. Claus Arnold, Mainz:  "Pastor Angelicus". Inszenierung des Papsttums im Film
Hermann-Josef Reudenbach, Aachen: Erscheinungsbild und Stil Papst Pauls VI.
Dr. Benjamin Städter, Aachen: Johannes XXIII. als Agent des Aufbruchs? Der Papst und das II. Vatikanische Konzil in den massenmedialen Bildwelten der Bundesrepublik
Prof. Dr. Jörg Seiler, Erfurt: Päpste auf Reisen
Abschließende Statements

 Tagungsprogramm
 

Initiator der Tagung: Prof. Dr. Claus Arnold, Mainz.
Tagungsprogramm

Weitere Informationen zu Anmeldung und Tagungskosten bei der
Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart.  Im Schellenkönig 61, 70184 Stuttgart
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