Weingarten 2010

Rückschau: Tagung Christentum im Islam - Islam im Christentum? 

Identitätsbildung durch Rezeption und Abgrenzung in der Geschichte
Tagungsleitung Prof. Dr. Hubert Wolf, Münster

Weingarten 16.-18.09.2010 

Leben wir in einem jüdisch-christlichen Abendland, das der islamischen Welt gegenübersteht? Oder gibt es vielmehr historisch gewachsene Gemeinsamkeiten zwischen ihnen, mehr als gemeinhin angenommen wird? Das sind aktuelle Fragen von höchster politischer Brisanz; denn die erinnerungsgeschichtlich gewachsenen Selbst- und Fremdbilder der Religionen prägen das Zusammenleben ihrer Anhänger auch heute noch entscheidend. 

Die Werte und Normen unserer Gesellschaft, die europäische Identität und die aufgeklärte Moderne scheinen allein jüdisch-christlichen und westlich-rationalen Ursprungs zu sein. Der Orient und der Islam gelten dagegen oft als das Fremde, das Andere: der negative Hintergrund, vor dem sich die Eigenart und die besonderen Leistungen der westlichen Zivilisation erst klar abzeichnen. Umgekehrt spielte es auch für den Islam von Beginn an - schon bei seiner Entstehung und seiner frühen Ausbreitung - eine zentrale Rolle, sich mit dem Christentum auseinanderzusetzen und sich von ihm abzugrenzen. Die Kolonialgeschichte bedeutete für große Teile der muslimischen Welt eine christlich-westliche Fremdherrschaft. Die Konfrontation mit deren Praktiken, aber auch mit deren spezifischen Formen von Modernität und Rationalität bestimmt noch heute das Selbstbild vieler Muslime tiefgehend, positiv wie negativ. 

Diese über Jahrhunderte verfestigten Selbst- und Fremdbilder sind  kritisch zu überprüfen. Wie haben Christentum und Islam einander wahrgenommen, sich voneinander abgegrenzt oder auch Gemeinsamkeiten hervorgehoben? Wie haben Christentum und Islam sich gegenseitig in ihrer Lehre, ihren Sozialformen und ihren kulturellen Leistungen beeinflusst? Haben ein intensiver Kontakt, wachsende und zunehmend verwissenschaftlichte Kenntnisse vom „anderen" auch das eigene Selbstverständnis verändert? Diesen Fragen soll anhand zentraler, grundlegender Prozesse, aber auch anhand von historisch interessanten Teilaspekten nachgegangen werden. 

Eine Tagung des Geschichtsvereins und der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart  

Programm  |  Tagungsbericht, publiziert auch in HSozKult und AHF 

Weitere Fragen info@gv-drs.de, 0711/1645.560